Bayern braucht ’nen Kuli

Ich war in einem verträumten bayrischen Dörfchen im Urlaub und wollte nach einer erfolgreichen Ersteigerung bei Ebay eigentlich nur schnell Geld transferieren. Nach Abschluss des Kaufs wurden mir auf meinem Smartphone die Kontodaten des Verkäufers angezeigt. Ob ich sie auch per Email haben wolle? Nein. Wozu? Ich kann sie ja später in der App wieder aufrufen, dachte ich.

Als ich nun zu Fuß zur Bank marschierte, fiel mir schon beim Öffnen der App wieder auf, dass ich ja hier im Internet-Niemandsland war. Entsprechend langsam reagierte das mobile Netz. Irgendwie forstete ich mich wacker durch die komplette App, stellte aber im Laufe der folgenden 15 Minuten Fußmarsch fest, dass ich suchen konnte, wie ich wollte, die Kontodaten ließen sich nicht mehr aufrufen. Mittlerweile saß ich in der kleinen Dorf-Sparkasse auf dem Heizkörper. Ich probierte das Problem zu umgehen, indem ich mich über den normalen Browser bei Ebay anmeldete. Doch auch diesmal: Fehlschlag. Keine Kontodaten.

Es half nichts. Ich latschte zurück zum Haus unserer Gastgeber und bat dort, kurz den Rechner benutzen zu dürfen. Nun muss man dazu sagen, dass der Hausherr Rentner ist. Zwar kein alter, aber es reicht aus, um einige Klischees abzufrühstücken. Ich nenne ihn für euch zum Verständnis Horst. Horst, der allgemein sehr penibel und akurat ist und jeden Abend vor dem Zubettgehen den Netzstecker des WLAN-Routers zieht, wegen der schädlichen Radiowellen.

Ich bat also um Internet, bzw. um Nutzung seines PC aus dem Neandertal. Horst fing nun plötzlich an zu erzählen, er hätte ja derzeit kein Internet. Dabei hatten wir dieses die letzten Tage per Smartphone genutzt. Ich ging davon aus, dass es ein gerade erst aufgetretenes Problem sein könnte. Aber nein, er sagte tatsächlich, das Problem bestünde bereits seit Wochen. Ich zog eine Augenbraue hoch, zeigte ihm mein Smartphone und meinte, wir hätten gerade jetzt in diesem Moment WLAN Empfang. Doch Horst ließ sich nicht beirren und bestand darauf, sein Internet sei kaputt. Er könne lediglich seine Emails abrufen, aber nicht ins „richtige“ Internet gehen. Ich wiederum bestand darauf, es mal zu probieren.

Wir fuhren also den Personal Computer hoch. Horst erzählte, er könne im Mozilla Firefox auf GMX gehen und seine Mails lesen. Das andere Internet ginge aber nicht, wenn er auf den Internet Explorer klickt. Ich ließ verlauten, dass eigentlich alles über denselben Anschluss laufen müsste. Ich hörte mir an, wie in den letzten Monaten diverse Menschen an seinem PC rumgebastelt und stets etwas anderes erzählt hatten. Angeblich wäre das „richtige“ Internet in dem Dorf noch nicht wirklich ausgebaut. Daher liefe das über den WLAN Router. Es ergab für mich keinen Sinn. Da Horst aber meinte, er würde sich mit IT-Sachen nicht auskennen und das auch nicht mehr lernen wollen, überhörte ich alles weitere, öffnete Ebay per Firefox und holte mir meine Überweisungsdaten. Alles lief störungsfrei. Als Horst mich zum Schluss fragte, ob ich jetzt irgendwo seine Email eingegeben hätte, weil er nicht von irgendwoher Post bekommen wolle, wurde mir nur erneut bewusst, dass er von der ganzen Internetgeschichte wahrlich null Ahnung hat.

Ich lief mit meinen abfotografierten Kontodaten erneut in Richtung Sparkasse und freute mich, dass nun alles klappen würde. In der Filiale angekommen, fiel mir plötzlich auf, dass das Terminal nur für Kontoauszüge geeignet war. Mehr nicht. Und ich dachte, so etwas gäbe es nicht mehr. Also drehte ich mich zum Tisch mit den Überweisungsträgern aus Papier, nahm lieber zwei, falls ich mich verschreiben würde und blickte auf die Schnur, an welcher der Stift hängen sollte. Nichts. Eine leere Schlaufe. Kein Stift. Ich drehte mich einmal im Kreis. Aber es gab weiter nichts. Einen Geldautomaten, ein Terminal für Kontoauszüge und den Tisch mit Überweisungsträgern ohne Stift.

Ich presste meine Lippen zusammen und verließ fluchend die Sparkasse. Die beiden Überweisungsträger in der Hosentasche. Zurück zum Haus. Dauerfluchend. Dort angekommen, empfing man meine Schilderung mit der gleichen Verwunderung, sagte mir aber, wir könnten in einem der Nachbardörfer, durch welche wir sowieso demnächst fahren würden, an einer Sparkasse anhalten. Dies taten wir dann. Dort gab es sogar Terminals zum Überweisen. Hach… so fühlte ich mich der Zivilisation wieder ein Stück weit näher.

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