Todesstrand auf Mykonos

Strand

Ich werde nie vergessen, wie wir mit unserem Leihwagen im Strand feststeckten.

Meine bessere Hälfte und ich befanden uns auf Mykonos. Wie wir es in anderen Urlauben taten, mieteten wir uns auch hier ein kleines Wägelchen, um die Insel unabhängig selbst erkunden zu können. Und ich kann es nur empfehlen. Man ist an keine Zeiten gebunden und kann spontan in die abgelegensten Winkel fahren.

Letzteres war der Plan. Und wir hatten bereits mehrere Strände ausfindig gemacht, waren aber noch auf der Suche nach Besserem. Naturbelassen und menschenleer. Das war der Wunsch. Nun ist Mykonos relativ überschaubar. Und am meisten ist im Süden der Insel los. Also machten wir uns auf gen Norden.

Eine Karte bot uns Navigation. Und wie so oft, wurden die Straßen irgendwann immer schmaler und steiniger, die Gegend immer abgelegener und einsamer. Es war sicher: Hier sind wir richtig. Wir waren schon ewig durch leblose Walachei gefahren und das Meer war bereits am Horizont zu sehen. Tatsächlich. Als die Straße kaum noch beschissener werden konnte, erreichten wir einen Strand und hielten den Wagen kurz vor dem Ende der Straße, die zuvor links stark nach unten abfiel und letztendlich in den Strand führte, an. Keine Hotels, keine Touristen, keine Partymusik. Vollkommen verlassen. Perfekt. Lediglich die Wellen waren an dieser Seite der Insel recht kräftig. Der Strand war aus feinem Kies. Schien okay zu sein. Ob wir mit dem Wagen auf den Strand fahren könnten, wollte meine Begleiterin wissen. Klar, meinte ich und fuhr den Wagen in Richtung Straßenende. Ich erwartete einen kleinen Hüpfer zu verspüren, wenn wir auf den Strand setzen. Dieser kam nicht. Nur das Rauschen von Kies. Wuuusch!

Ich ging voll in die Eisen. Wir standen immernoch im Gefälle. Fehlschlag, schrie es durch meine Adern. Ich wollte rückwärts fahren. Aber daraus wurde nichts. Die Reifen drehten beim kleinsten Antippen des Gaspedals durch und der Wagen bewegte sich keinen Millimeter. Da half kein Fußspitzengefühl, kein hin und her lenken, nichts. Wir stiegen aus, positionierten uns vor dem Auto und sahen, dass die Vorderreifen tief im feinen, nassen Kies steckten. Erneut versuchte ich den Wagen zurückzusetzen. Vergebens. Also begannen wir die Vorderräder mit den Händen freizugraben. Die unteren Kiesschichten waren von Wasser durchsetzt. Ein erneuter Versuch mit laut schlitternden Reifen schlug ebenso fehl.

Dies war der Moment um zu verzweifeln. Weit und breit keine Menschenseele, das letzte Dörfchen eine kleine Ewigkeit entfernt, kein Handyempfang und wir steckten an einem mittlerweile von starken Wellen gepeitschten Strand mit dem Auto im Kies fest. Party on!

Es blieb keine Wahl. Wir mussten da raus. Es fanden sich kleine Steinplatten vom Felsen, die wir versuchten unter die Räder zu stecken. Meine todesmutige Freundin bot sich an, den Wagen an der Vorderseite anzuschieben. Also setzte ich mich ans Steuer, drehte den Zündschlüssel um, legte den Rückwärtigsgang ein, umschloss das Lenkrad fest mit den Händen und ließ die Kupplung kommen. Der Motor heulte auf und die Reifen schliffen laut über den Untergrund. Kies schoss links und rechts an meiner sich verausgabenden Freundin vorbei und ich versuchte gefühlvoll Haftung am Boden zu finden, während ich die Lenkung hin und her ruderte.

Es klappte. Der Wagen setzte einen Meter zurück und hatte wieder trockenen Straßenbelag unter sich. Erleichtert sahen wir uns durch die Frontscheibe an. Meine Freundin stieg wieder ein und ich fuhr, da ich nicht wenden konnte, rückwärts die schmale Straße empor. Einen kleinen Schock verpasste ich mir noch, als ich links aus dem Fenster blickte und sah, dass ich den Wagen zu nah am Meter tiefen Abgrund entlang manövrierte. Ich bin ja eigentlich ein besonnener, aufmerksamer Fahrer. Ein kurzer Schlenker und wir entkamen einem unangenehmen Absturz. Jedoch erwähnte ich dies nicht.

Bald konnten wir wenden und fuhren so schnell es ging der Zivilisation entgegen. Weg von diesem einsamen Todesstrand.

https://massenwort.wordpress.com/

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9 Gedanken zu “Todesstrand auf Mykonos

    1. Nicht immer.
      Aber ich war zuversichtlich, dass uns noch jemand vor dem Hungertod gefunden hätte. Wir hätten das Auto angezündet als Signalfeuer. Oder wären vielleicht einfach ein paar Kilometer gelaufen. ^^

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